NAH DRAN extended: Tanzstipendiaten
Marta Hincapié
Igor Koruga
Kata Kovács
Ligia Lewis
Tom O'Doherty
Michael Shapira
Jessy-Lane Tuddenham
Sabine Zahn
27. September - 28. September 2014
Sa 27.09.14 20:30 Uhr
So 28.09.14 20:30 Uhr
Uferstudio 7

ada Tanzstip quad
Galerie
Bilder ansehen

Termine
27. September 2014, 20:30 Uhr
28. September 2014, 20:30 Uhr
Beschreibung

Die Reihe NAH DRAN präsentiert in regelmäßiger Folge neue oder weiterentwickelte kurze Stücke junger Tänzer und Choreografen, wobei die Grenzen zu Körper-, Sprech- und Musiktheater sowie Performance offen sind. Sie bietet Tänzern und Choreografen eine Plattform, um ihre Stücke (möglicherweise erstmals) in einem abendfüllenden Rahmen dem Berliner Publikum zu zeigen.

NAH DRAN extended heißt, dass die Arbeiten unter einem speziellen kuratorischen Aspekt ausge­wählt wurden. „NAH DRAN extended: Tanzstipendiaten” entstand auf Anregung von Berliner Tanz­stipen­diaten und in Zusammenarbeit mit der Kulturverwaltung des Berliner Senats. Nach der er­folg­reichen Premiere im Juni 2010 zeigen Träger des Tänzerstipendiums, das die Kulturverwaltung all­jährlich vergibt, nunmehr bereits zum fünften Mal Ergebnisse ihrer Recherchen öffentlich. Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es dieses Arbeitsstipendium, das Berliner Tänzern und Choreografen Recherche­­vorhaben und Weiterbildungen ermöglicht. Zu den ersten der bisher über 100 aus­ge­wählten Stipendiaten gehören u.a. Ingo Reulecke, Ka Rustler, Thomas Lehmen, Bridge Markland, Be van Vark.

Zu Gast bei dieser NAH DRAN extended-Ausgabe sind Stipendiaten des Jahres 2013:

Samstag, 27.09.2014:

Michael Shapira: Tales of Readymades

Martha Hincapie: Double-sided (Research)

Sabine Zahn: bodies and explosions 2;  „Luft auflösen”. (Eine choreografische  Versuchsanordnung für Zuschauer und Explosionen)

Igor Koruga: Präsentation oT

 

Sonntag, 28.09.2014:

Jessy-Lane Tuddenham: A Dance for a Sub-conscious State

Kata Kovács & Tom O’Doherty: Sound, Movement, and Silence

Ligia Manuela Lewis: Solo For Peter

 

 

Michael Shapira: Tales of Readymades

Meine Arbeit basiert auf Instant Composition. Mein Recherchevorhaben im Rahmen des Tanz­stipendiums 2013 des Berliner Senats setzte sich mit dem Einsatz der Stimme auf zwei Arten aus­ein­ander: Singen (Gesangsstunden, Arbeit mit Liedern) und das Studium von Action Theater™. Meine Idee war eigentlich, dass die Praxis des Singens den Einsatz der Stimme, die mit der Sprache verbunden ist und kulturelle Normen wie Rhythmus, Melodie und Harmonie setzt, repräsentiert, während die Action Theater Praxis den improvisatorischen Ansatz des Dekon­struierens des Einsatzes der Stimme, um sie von genau diesen Normen zu befreien, übernimmt.

Im Arbeitsprozess stellte ich jedoch fest, dass beide Zugänge Elemente der jeweils anderen Praxis enthalten, wenn ich die somatische Arbeit mit musikalischen und linguistischen Bildern verbinde. Auch im Kontext des Komponierens ist die Frage der Dekonstruktion versus Benutzen von „readymades“ der Improvisation inhärent, weil es eine Frage der Wahrnehmung ist, sowohl aus persönlicher als auch aus kollektiver Sicht. Der Bezug zu Duchamps' 100 Jahre altem Konzept der Readymades hat mir geholfen, die verschiedenen Komponenten einer Komposition zu sehen: mein Körper, Objekte, Worte als potenzielle Träger von sowohl eingeschriebenen als auch neuen Bedeutungen, die aus den Beziehungen zwischen diesen Elemente entstehen. Mich interessieren momentan Dramaturgien, die aus dem kollaborativen Akt der Autorschaft von Performern und Publikum entstehen. Der mentale und physische Prozess der Wahrnehmung bildet die Grundlage für diese Kollaboration, denn er findet in jedem, beim Performer und auch beim Publikumsmitglied, statt und wird in jedem Individuum sowohl durch persönliche, als auch durch kollektive Tendenzen gesteuert. Da soziale Konstrukte und Hierarchien, einschließlich dessen, was wir Theater nennen, zunehmend kritisch betrachtet werden, wächst die Herausforderung, ein dramaturgisches Abkommen zwischen Performer und Publikum zu installieren. Ich nutze weiterhin Bewegung und Stimme und füge improvisierte Interaktionen mit Objekten hinzu. Mein Ziel ist die asymmetrische Kollaboration in der Performance und wie ich meine Rolle darin verkörpern kann.

 

Martha Hincapie: Double-sided (Research)

„Inwieweit verträgt die Wahrheit die Einverleibung? – das ist die Frage, das ist das Experiment.” (Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft)

Unser Wesen liegt darin, was am zufälligsten an uns ist: Zeit und Ort der Geburt, Sprach- und Bewegungsgewohnheiten, Fehler und Eigenheiten unseres Körpers. Aber unser Bild von uns wird durch Bezug zu anderen geändert; die Wahrnehmung des individuellen Bildes ändert sich abhängig von den Bedürfnissen der anderen...unsere Leben sind eher bruchstückhafte Träume als das Etablieren eines bewussten Selbst, ein Maskenball.

Eines der charakteristischen Merkmale des modernen Lebens ist, dass es unzählige Möglichkeiten dafür liefert, den überall auf der Welt stattfindenden Horror aus der Ferne zu betrachten, der damit alltäglich wird. Wir haben gebrochene, verängstigte, sterbende Körper gesehen und sind mit der Gewalt aufgewachsen. Gewalt macht jeden, der ihr ausgesetzt ist, zu etwas, sie macht den Körper zum Objekt und zerstört, was Menschen als Individuen, als menschliche Wesen, identifiziert.

"Double-sided” ist eine Reflexion über den menschlichen Körper, eine Untersuchung darüber, wie das Spektakel der Leiden anderer uns beeinflusst ... oder nicht ... das Entfernen der Masken von unseren animalischen Gesichtern hat kaum erst begonnen.

 

Sabine Zahn: bodies and explosions 2;  „Luft auflösen” 

Eine choreografische Versuchsanordnung für Zuschauer und Explosionen.

Die Arbeiten verschiedenster bildender Künstler mit explosiven Objekten waren Auslöser für die Frage, wie es wohl wäre, wenn man Explosionen in ihrer Unmittelbarkeit neben die un­mittelbare Präsenz von Körpern setzt. Und darüber hinaus, welche performative Situationen es hervorbringt, wenn man mit Körpern Zuschauer wie Tänzer gleichermaßen meint?

In meiner zweiten Recherchephase für das Tanzstipendium wollte ich vor allem ausprobieren, wie sich die Körper zweier Tänzerinnen und explosive Ereignisse zur Raumwahrnehmung der Zuschauer verhalten. Meine Idee war, ähnlich der bildenden Künstler subtile Systeme für Kettenreaktionen zu entwickeln. In öffentlichen und unöffentlichen Recherchen in der Wetter­ballonhalle auf dem Tempelhofer Feld erforschten wir dann, wie sich aus der Aufmerk­samkeit gegenüber räumlichen Veränderungen die Gesamtsituation zwischen allen mitver­ändert und welche Rolle die Performer in diesem Spiel übernehmen.

 

Igor Koruga: TELL THEM ABOUT THE DREAM

TELL THEM ABOUT THE DREAM untersucht Möglichkeiten, Arbeitsweisen der darstellenden Kunst (Tanz und Choreografie) für den Akt des öffentlichen Sprechens zu benutzen. Igor Koruga möchte ein hybrides künstlerisches Format entwickeln, das Methoden und Mechanismen des öffentlichen Sprechens und des körperlichen Ausdrucks kombiniert, um eine öffentliche Analyse und Reflektion über die folgenden Themen anzuregen: die Position des Einzelnen in der heutigen neoliberalen kapitalistischen Gesellschaft; Bedingungen für Methoden der Kunstproduktion; Leben und Wissensaustausch; Politizität von Kunst; Liebe und Empathie als politische Kategorien; Zynismus als Hilfsmittel für die Interpretation von Realität; Authentizität und (Im)Potenz der Kritikalität in der Praxis der zeitgenössischen darstellenden Kunst; Choreografie als Werkzeug zur Analyse des Sozialen etc. All diese Fragen dienen als Inspiration, Position und Praxis des zeitgenössischen Künstlers in der heutigen Gesellschaft zu erforschen und damit eine bestimmte soziale Stellung zu verteidigen. „Ein intervenierendes soziales Subjekt, das das Werte-, Ideologie- und alle anderen dominanten Systeme beeinflusst, die er/sie in seinem/ihren kreativen Umfeld erkennt, und zwar der Kontext, in den er/sie sich einmischt.” (Deschooling Classroom 2013).


Jessy-Lane Tuddenham: A Dance for a Sub-conscious State

Angeregt durch die Arbeit des Künstlers Marcos Lutyens und eine lange Erforschung von Yoga- und Meditationspraktiken, hat Jessy ihr Tanzstipendium dafür verwendet, die Kunst der Hypnose und unterbewusste Seelenzustände zu erforschen. Ihr Ziel war und ist es, eine einfache Technologie zu entwickeln, die auf der menschlichen Stimme im Wort und den Pattern von Schleifen im Rhythmus beruht und die sie auf die Bühne bringen möchte, um einen neuen Weg der interaktiven Tanz-Performance zu erkunden. Ihre Motivation sind Fragen rund um kinästhetische Empathie sowie die offensichtliche Manipulation der Erfahrung des Publikums beim Konsumieren von Tanz.

Obwohl Jessy immer voller Hoffnung ist, ästhetisch anspruchsvolle Arbeit zu kreieren, will sie hier keinen umhauen. Mit ihrer hypnotischen Arbeit hofft sie, dem Nervensystem eine Atempause zu verschaffen. Aus ihrer Forschung ist ein „Solo” entstanden (Duett und darüber hinaus), in dem Tanz, Musik und eine begleitende Stimme zusammen kommen, um ein Publikum in phantasievolle Welten und unbewusste Sphären zu hypnotisieren. Es ist eine Wellen­bewegung in und aus der Ruhe, in den und aus dem Tanz und in und aus geflüsterten Geschichten, die gleichzeitig wahr und irreal sind. Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich, wenn Sie gleich in einen tiefen. . . Zustand. . . von. . . Schlaf. . .

  

Kata Kovács & Tom O’Doherty: Sound, Movement, and Silence

Seit 2011 arbeiten Kata Kovács und Tom O’Doherty als kollaboratives Duo zusammen und kreieren performative Installationen und Videos. Ihre Arbeit bewegt sich an den Grenzen von Per­formance und Durational Art, minimalistischer und elektroakustischer Musik, Bewegung und Videokunst. Diese Arbeit wird häufig dadurch geformt, dass sie versuchen,  Ent­scheidungs­pro­zesse auf einfache, aber oft übersehene Phänomene anzuwenden. Ihr Interesse gilt Prozessen, Sounds und Bewegungen, die nahe an der Nicht-Wahrnehmbarkeit liegen sowie an Methoden, dieses Rohmaterial durch Schichtung, Rhythmus, Pattern und Wiederholung zu transformieren.

  

Ligia Manuela Lewis: Solo For Peter

„Solo For Peter” wurde aus Adaptionen zweier Theaterstücke entwickelt: „Antigone” von Jean Anouilh und „Nicht ich” von Samuel Beckett. Durch ihre Übersetzungen haben sich sowohl Antigone als auch Billie Whitelaw (der Mund von „Nicht ich”) zu Emblemen von Überzeugung und Verkörperung entwickelt. Sie bilden das Rückgrat der Performance zusammen mit weiteren Texten von Simone Weil und Chris Kraus.

Mich beschäftigt in erster Linie das Studium des „embodiment“ (Verkörperung), eine performative Praxis, an der ich mit Brian Getnick gearbeitet habe, um in ihm einen akribisch genau erschaffenen hybriden Körper in ständigem Fluss zu kreieren. Wir benutzen Stanislawskis Schauspieltechnik und die Praxis des Authentic Movement. Wir haben versucht, über die Satire hinaus zu gehen, um die Instabilität eines Wesens zu verkörpern, das sich selbst durch das permanente Verlangen, „anders“ zu werden, definiert. Durch diesen Zustand entwickeln sich die Stimmen von Antigone und Becketts Muse Billie Whitelaw und die Bühne wird zur Plattform für einen Körper, der um Überzeugung, Empathie und Leiden ringt.
Besetzung

 

Martha Hincapie: Double-sided (Research)

Performance: Martha Hincapie Charry, Gabriel Galindez Cruz

 

Igor Koruga: TELL THEM ABOUT THE DREAM

Mitarbeit: Ana Dubljević Beratung: Nikolas Y Galeazzi, Charlotte Vandevyver & Ana Vujanović

Unterstützt durch: Tanzstipendium Der Regierende Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten (2013), Uferstudios Berlin & Life Long Burning EU network (LLB) / EU, Summer Coaching Program - Work Space Brussels, Rosas Studios & P.A.R.T.S. Brussels, ada Studio Berlin, Jeffrey Modell Foundation – WIN grant New York, Bitef Theatre Belgrade, Ministry for culture and information Republic of Serbia, Station – service for contemporary dance Belgrade, POSPID Belgrade, TASK festival & PLATFORMA / Jardin Labo LLB EU in Zagreb.


Ligia Manuela Lewis: Solo For Peter

Konzept & Regie: Ligia Lewis Performance: Brian Getnick Musik: George Lewis Jr.

Diese Aufführung wird ermöglicht durch die Unterstützung der Kulturverwaltung des Berliner Senats und eine Residenz in Pieter Performance Art Space (Los Angeles).

Weitere Infos (und ggf. Reservierungen)
Ticket-Reservierung unter 030- 21 800 507 oder per Mail an: ada-berlin@gmx.de
Ticketpreis
7-12 €, sliding scale

1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031
Wild Card slot 2017 / 2018 in April, May or June 2018 in Belgrade, Serbia
WILD CARDS-residencies are part of the European network Life Long Burning.
NAH DRAN 66 +++ ZUSÄTZLICHE AUSGABE +++
21. + 22. Oktober, 20:30 Uhr, Uferstudio 7
Hearts <3
25. Oktober 2017, 21:00 Uhr, Uferstudio 3
OPEN SPACES#3-2017 Tanzfabrik Berlin
1. - 6. November 2017
A bridge into the mythic past.