20.30 Uhr Uferstudio 7
kein nullpunkt nie 2
"Nie findet mein Körper seinen Nullpunkt, niemand kann ihm diesen geben." (R. Barthes)
"Ist ja lächerlich, was ich vermitteln will, was ich spüre dieses Brodeln, dieses ungeheuere Leben, das kann ich überhaupt gar nicht in Wörtern sagen. Ist doch Quatsch." (R. D. Brinkmann)
Löst Bewegung und Tanz den Körper aus seinen Kontexten und findet so seinen Nullpunkt? Verschiedene Körperräume wurden im Probenprozess wie Bilder von Lebendigkeit belichtet oder als negatives Abziehbild eines potentiellen Körpers betrachtet. Auf Spaziergängen durch Berlin, London und in verschiedenen Proben-Räumen wurden diese Entwürfe "diskutiert" und ein Körper für Brinkmanns Literatur entwickelt.
"kein nullpunkt nie 2" hat sich aus der Projektarbeit TOOLS im ada entwickelt. Die erste Version des Stückes wurde 2011 beim 100 Grad Festival Berlin (Sophiensaele) für den Jury-Preis nominiert.
kein nullpunkt nie 3. nachtlang (Premiere)
"..und endlich steht auf den Augenliedern ENDE, alle Blicke sind abgeschnitten, alle Herzen sind da, und endlich. Endlich sind wir diese Stadt." (Jörg Albrecht)
1975: Nächtelang hat mich mein Vater getragen. Nächtelang war er im Stahlwerk auf Schicht. Später: Sein Händedruck prägt sich mir ein und ist immer noch da. Das Ruhrland aber ist abgebrannt.
Schnitt 2012: Auf Schicht bin ich, wenn ich tanze. Getragen sein ist der Ertrag der Arbeit. Eine ganze Generation könnte sich im Sinne des Dichters R. D. Brinkmanns vom Ballast der Vergangenheit befreit fühlen, wären da nicht die Körper und ihre Erfahrungen, die auf eine Leerstelle hinweisen. Was bleibt zurück? Habitus, Einverleibtes?
Wie kann ein identitätsstiftender Rückgriff darauf gelingen, wenn die Topografien der Kindheit verschwunden sind?
Kristina Kreis entwickelt "nachtlang" zur Zeit mit Friederike Erhart und bietet hier einen ersten Einblick in das Stück. Es fokussiert den Abschied von der Elterngeneration; fortgesetzt wird das Stück als eine Zusammenarbeit mit ehemaligen Stahlkochern im Ruhrgebiet...
Choreografie: Kristina Kreis Literarische Beratung: Steffen Stadthaus Tanz/Performance: Friederike Erhart, Kristina Kreis Fotografie: Eva Schönfeld Text: R. D. Brinkmann, Jörg Albrecht



