Ensembling
Uferstudio 14

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Termine
Do 29.08.19 20:30 Uhr
Fr 30.08.19 20:30 Uhr
Sa 31.08.19 20:30 Uhr
So 01.09.19 20:30 Uhr
Beschreibung

Sechs Frauen tanzen, gemeinsam, Seite an Seite. Eine andere Frau liest. Viele andere Menschen sitzen, schauen und hören zu. In dieser aufgehaltenen Zeit entsteht ein Raum für Aufmerksamkeit, Verbindlichkeit und Autonomie. Dem, was manchmal unverstanden bleibt, hören wir geduldig zu. Aufkeimenden Singularitäten, Beziehungen und Gemeinsamkeiten schenken wir unsere Aufmerksamkeit. Wir strecken kitzelige Fühler aus und wachsen zusammen in Verflechtungen, die unser Ensemble strukturieren.

Die choreographischen Scores von Alice Chauchat aktivieren paradoxe Beziehungsgeflechte: distanzierte Intimität, aufmerksame Autonomie, unpersönliches Engagement. Der Bühnentanz wird dabei zum Grenzgebiet zwischen Wahrnehmung und Produktion (oder Empfindung und Ausdruck), zwischen einem Sinn für das Selbst innerhalb einer Gruppe und der Auflösung dessen in dieser. Ensembling entwickelt sich aus zwei Ansätzen heraus: „Tanzen als Zuhören“ (dancing as listening), in dem Letzteres zu einer expressiven Aktivität wird, sowie „nicht-formalem Einklang“ (non-formal unison), der unsere Fähigkeit untersucht, herauszufinden, was uns außerhalb von Vergleichsstrukturen zusammenhält. Anstatt endloser Differenzierungen entsteht so eine Aufmerksamkeit für Beziehungen, die sich ständiger Systematisierung entziehen.

Seit 2014 hat sich diese Arbeitsform in eine von Hunderten von Menschen (Tänzer*innen und anderen) geteilte gemeinschaftliche, ethische und ästhetische Praxis entwickelt. Einige der Scores (Telepathic Dance, Dance of Companionship, Dancing as Listening) wurden bereits als Teil von Solo Performances öffentlich aufgeführt: Togethering, a Group Solo (2015), Walk + Talk (2017), Approximations (2018). Ensembling ist nun die erste Gelegenheit, diese Arbeit in einem Gruppenstück zu zeigen, das die Beziehung zwischen Performer*in und Publikum neu definieren muss.

„Tanzen als Zuhören“ stellt den Tanz als aktive Wahrnehmung, als aktives Denken und als aktive Vorstellungskraft dar. Eine Person ganzheitlich als wahrnehmendes Organ zu betrachten, bedeutet auch, sie in Verbindung mit ihrer Umgebung zu sehen und dementsprechend fähig, auf diese zu reagieren. Die Praxis aktiven Zuhörens, wie bspw. Pauline Oliveros’ „Deep Listening“, rief jüngst neues Interesse hervor. Oliveros’ Plädoyer „eine von allen gehörte Atmosphere der Öffnung zu schaffen, in der Zuhören als heilend verstanden wird“, spiegelt dekoloniale Perspektiven wieder, die dem Auferlegen von Zwängen und pre-etablierten Standards einen Fokus der Aufmerksamkeit vorziehen. In Verbindung mit Diskursen des Anthropozäns rekonfiguriert die Idee eines „Deep Listening“ außerdem die Beziehungen zwischen Subjekt und Umgebung und favorisiert gegenseitige Resonanz und Intra-Action (um Konzepte von Karen Barad und Donna Haraway aufzugreifen) gegenüber pseudo-autonomen Beziehungen zwischen ersteren.

Besetzung

Choreografie und Tanz: Alice Chauchat | Tanz: Alice Martucci, Arantxa Martínez, Ewa Dziarnowska, Kai Evans, Julek Kreutzer | Vorleserin: Siegmar Zacharias | Licht- und Raumdesign: Bruno Pocheron, Elliot Blue | Kostüme: Alexander Wolff | Beratung: Jennifer Lacey | Texte: Siegmar Zacharias und Dodie Bellamy | Produktionsleitung: Micaela Kühn Jara
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds in Kooperation mit Tanznacht-Forum, im Rahmen von apap Performing Europe 2020, kofinanziert durch das Creative Europe Programme der EU mit Gastfreundschaft von HZT, Berlin.

Weitere Infos (und ggf. Reservierungen)

Tickets hier erhältlich.

Ticketpreis
14,00€, ermäßigt 9,00€

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16.10.19, 19:00 Uhr, Uferstudio 14

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19.10.19, 18:00 Uhr, Uferstudio 14
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19.10.19, 20:30 Uhr, Uferstudio 14
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25.10.19 10:00 Uhr, 26. + 28.10.19, 15:00 Uhr, 27.10.19, 11:00 Uhr, Uferstudios 14
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