BERLINER RESIDENZPROGRAMM

Das Berliner Residenzprogramm der Uferstudios, gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, bot im Jahr 2021 insgesamt 5 Projekten die Möglichkeit, alternativ zu den bisher gängigen Förder-und Produktionspraktiken, verschiedene Arbeitsweisen und -thematiken zu fördern. Inhaltlich wurden zwei unterschiedliche Residenzen angeboten, die jeweils anderen Entwicklungsphasen künstlerischer Arbeit zugute kommen sollten und auf die sich Künstler*innen bewerben konnten, die ihren Abreitsschwerpunkt in Berlin haben.

So bot die Residenz "SITUATIVES ARBEITEN - SITUIERTES LERNEN" Recherche- und Arbeitsresidenzen an, die sich schwerpunktmäßig mit choreografischen, partizipativen und/oder prozessorientierten Arbeiten, die im engen Austausch mit der Nachbarschaft sowie der Stadtgesellschaft stattfinden sollten, beschäftigten. Die Residenzen zu "ERPROBUNGEN UND VERTIEFUNGEN" förderten experimentelle Arbeitsphasen vor Produktionsbeginn, körperbasiertes, explorierendes Arbeiten an einem Projektvorhaben vor der Konzeptionsphase einer neuen Idee, die Überarbeitung bestehender Arbeiten unter Herausarbeitung eines spezifischen Schwerpunkts sowie vertiefendes und lernendes Arbeiten im Rahmen eines Projektvorhabens durch den Input/Expert*innenwissen von außen.

 

DIE PROJEKTE

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Im Rahmen der Residenz "SITUATIVES ARBEITEN - SITUIERTES LERNEN" wurde das Kollektiv KAPUTT, bestehend aus Pilar Villadangos und Valeria Oviedo, eingeladen, von Anfang August bis Mitte September 2021 im Heizhaus zu arbeiten. Ihr Projekt zum Thema Migration begann mit Interviews mit Menschen mit Migrationshintergrund in Berlin, um ihre Stimmen und Erfahrungen nicht nur metaphorisch aufzunehmen. Von da an entwickelte sich das Projekt zu einer Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen und Künstler*innen, die sich mit Migration beschäftigen: In mehreren Workshops arbeiteten die Gruppe und die mit ihr arbeitenden Künstler*innen gemeinsam mit Mitgliedern der verschiedenen Communities an Fragen des Ankommens und Aufbrechens und schufen dabei selbst eine Gemeinschaft. Ihre gesammelten Erfahrungen und Sprachaufnahmen im Rahmen der durchgeführten Interviews waren Teil mehrerer urbaner Interventionen, die im September in verschiedenen Bezirken Berlins stattfanden.

Fotograf: Alejandro Ramos | Performance: Giulia Rossi | Regie: KAPUTT (Valeria Oviedo und Pilar Villadangos) | Produktion & Videoprojektion: Valeria Oviedo | Kostümgestaltung: Forough Absalan | Musik & Sounddesign: Aloe | Visuelle Plakatgestaltung: Ximena Gutiérrez | Videofilmer Kurzfilm: Farahat Khalil

 

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Kevin Bonono wurde für den Winter 2021 eingeladen, sein Projekt A sensation of a truth im Rahmen von "ERPROBUNGEN UND VERTIEFUNGEN" in den Uferstudios wiederaufzunehmen. Das Projekt wurde im August 2021 in der Galerie Wedding uraufgeführt. A Sensation of a Truth (about the gaze and its effects on human behaviors) ist eine Reflexion über die Wahrnehmung des eigenen Ichs in Bezug auf die damit verbundenen Umgangsformen. Dabei wird ein politischer, sozialer und persönlicher Überblick darüber gegeben, wie Äußerlichkeiten, kultureller Hintergrund und Mode im weiteren Sinne bewertet werden und unser Verhalten prägen. Das Ergebnis ist, dass wir isoliert, eingeschränkt, kontrolliert oder beobachtet werden. Die Art und Weise, wie Schwarze und queere Körper den Blicken und Zuschreibungen ausgesetzt sind, die auf sie gerichtet sind, ist ein Schwerpunkt von Kevin Bononos Arbeit.
In seiner langjährigen Beschäftigung mit Blicken untersuchte Bonono im Rahmen des Berliner Residenzprogramms die verschiedenen Codes und das Vokabular, das Minderheiten verwenden - oder manchmal auch nicht -, um sich gegenseitig zu erkennen. Dieses Vokabular ist Teil eines größeren Identitätskampfes.
Chimamanda Ngozi Adichie: "Eine einzige Geschichte schafft Stereotypen, und das Problem mit Stereotypen ist nicht, dass sie unwahr sind, sondern dass sie unvollständig sind..."

 

Lea Kieffer

Mit dem Projekt Meluzine & Cie (Spending time with mermaids) widmete Lea Kieffer (alias Meluzine Codex Mercury) die Berliner Residenz der wiederkehrenden Figur ihrer Arbeit im vergangenen Jahr: der kosmischen Meerjungfrau. Zusammen mit anderen Künstler*innen/Kreaturen wie der Tänzerin/Trommlerin Ángela Muñoz Martínez (aka Jupiter Sonic Smith), den Tänzer*innen Frida Guilia Franceschini (aka Morticia Moon X) und Rocio Marano (aka Yawna Galactica), der Musikerin Nina Hynes (aka Vulna Zinazia), dem Tänzer/Autor Timothée Nay (aka Colin Danger) und punktuell mit eingeladenen Gästen, zielte Lea Kieffer darauf ab, ihre innere Meerjungfrau zu erwecken und entdeckte im Rahmen des Berliner Residenzprogramms Bewegungsverbindungen, Songwriting, Storytelling, Lapdance, somatisches Shapeshifting, Apnoe- und Schwanzwachstums-Training, sowie den Bau von aquatisch-kosmischen Landschaften und Kostümen aus Muscheln, Meerestierdrucken aus recycelten Bettlaken der 90er Jahre, Neonlicht-Skulpturen und anderen gefundenen Schätzen.

 

Joni Barnard

Im Rahmen der Berliner Residenz "ERPROBUNGEN UND VERTIEFUNGEN" arbeitete Joni Barnard weiter an ihrer gemeinsamen Performance Danse Macabre and the Burning of the Bugs. Das Projekt ist eine tragisch-komische Antwort auf das aktuelle Artensterben in der Insektenwelt, den Horror der Käfer-Apokalypse und die Absurdität der gewaltsamen Zerstörung unseres Lebensraums durch die Menschheit. Joni lud die Videografin Elisa Purfürst, die Tänzerin und Performerin Liselotte Singer, Marc Philipp Gabriel als Gastperformer und Dramaturg und Tizo All für Kostüm- und Bühnenbild und Konzeption ein. Während der Residenz konzentrierten sich die Künstler*innen auf die Schaffung von Klanglandschaften und die Überlagerung von Bildern in Echtzeit und projizierten somit zusätzlich Bilder in der und auf die Performance. Als weiteren Input konsultierten sie in und um Berlin ansässige Insektenexpert*innen und recherchierten ausgiebig eigene Erfahrungen, Vorurteile und Diskriminierungen in Bezug auf die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Arten.

 

Tzeshi Lei

Das Forschungsprojekt von Tzeshi Lei fand im Herbst 2021 statt. Das Projekt untersuchte die kollektive Erschaffung von transkultureller zeitgenössischer Magie in choreografischen Formen im urbanen Kontext. Es war als Plattform und kreativer sowie kritischer Schutzraum gedacht, um verschiedene Gruppen in Austausch und Ko-Kreation zu bringen und über die inhärenten choreografischen Dynamiken von Liebe, Macht und Sexualität zu reflektieren.

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