NAH DRAN extended: REORIENTING
Uferstudio 7 / online

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Termine
Sa 27.02.21 20:30 Uhr
So 28.02.21 20:30 Uhr
Beschreibung

„NAH DRAN“ ist eine Performance-Reihe für junge Berliner Choreograf*innen. Sie bietet die Möglichkeit, neue Stücke - fertig oder im Arbeitsprozess - zu präsentieren. Das Format versammelt drei Stücke verschiedener junger Künstler*innen an einem Aufführungsabend. „NAH DRAN“ („close to“) bedeutet, dass es buchstäblich keine Lücke zwischen Performer*innen und Publikum gibt, was einen intimen Rahmen für das Teilen der Arbeit schafft.
„NAH DRAN extended“ heißt, dass die Arbeiten unter einem speziellen kuratorischen Aspekt ausgewählt wurden. Diese von Roni Katz und Maya Weinberg kuratierte Ausgabe von „NAH DRAN extended“ versammelt drei Arbeiten, die Wendepunkte, Umorientierungen und die Verlässlichkeit von Mythen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
Geschichten, Fantasien, Komödien funktionieren oft als Fluchtstrategien vor der Realität, als Erleichterung vom Schmerz oder als Überlebensmechanismus, wenn das Leben unerträglich wird. Während manche Geschichten Lebensretter sind, verursacht die Menschheit täglich schreckliche Dinge im Namen großer Mythen. Nehmen wir ein Märchen, ein Theaterstück, einen Film, ein Geschichtsbuch, bleiben wir bei der Geschichte, ändern wir die Besetzung: das Geschlecht, das Alter, die Herkunft. Wählen wir nun unsere Lieblingsrolle und verkörpern sie voll und ganz, wechseln dann zum Protagonisten, der immer im Mittelpunkt steht, und danach zu dem überarbeiteten Fabrikarbeiter, der nie eine Zeile im Stück bekommen hat, zu dem sterbenden Kind, zu den gesichtslosen Menschen, die das Essen am Set servieren, werden wir nun zum Drehbuchautor und schreiben die Geschichte um. Was würden wir ändern? Mit absurdem Humor und Fantasie, um Krisen, Katastrophen und Trauer zu begegnen, will "NAH DRAN extended: REORIENTING" kritische Fragen provozieren und Mythen und Narrative über Natur, Geschlecht und den menschlichen Körper, über Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit, über Zugehörigkeit und Heimkehr neu deuten. Drei Arbeiten auf der Suche nach Strategien, um durchzuhalten und den Schmerz wegzuf**ken, präsentieren einen Prozess der Desillusionierung als Weg zur Neuorientierung.

Ali Enani: Deception (Täuschung)

Als ägyptisch-stämmiger Schwede, der in Berlin aufgewachsen ist, begann mir schnell bewusst zu werden, dass ich zwischen den Welten herumirre. In Deutschland bin ich der Ägypter, in Ägypten der Deutsche. Die Orientierungslosigkeit trieb mich in einer tiefen Stille der Verzweiflung. Die Fragen, die ich mir täglich stellte, waren: Wo ist mein Platz und wo gehöre ich hin?
Mit 13 begann ich die Suche nach dem Angenommen- und Angekommensein. Das Bedürfnis konnte ich mit dem und durch das Tanzen stillen. Mich zu bewegen gab mir die Zugehörigkeit, die coolen Moves die Anerkennung. Die Suche nach meiner Identität brachte mich auf die größten Bühnen Europas. Sollte ich jetzt nicht glücklich und zufrieden sein? Wonach ich strebte, erwies sich aber kurze Zeit später als Illusion, als etwas, das mich erfüllen sollte, es aber nicht tat. Wie jemand, der in der Wüste nach der Quelle sucht und eine Fata Morgana findet! Mich neu zu finden war jetzt das Ziel! Ich entdeckte eine neue Art, mich durch das Tanzen auszudrücken. Das Verschmelzen von verschiedenen Tanzstilen macht mich aus und gibt mir die Möglichkeit, mein Inneres auszudrücken und das mit anderen zu teilen.

Elvan Tekin & Magdalena Lermer: to be a fish in a raki bottle
'Ich wünschte, ich wäre ein Fisch in einer Raki-Flasche’ (Orhan Veli Kanik)
Die letzte Strophe des Gedichts 'Eskiler Aliyorum (dt. Ich kaufe Lumpen)' des türkischen Dichters Orhan Veli offenbart sich als metaphysische Suche; Gefühle der Verzweiflung führen zu der Fantasie, ein Fisch in einer Raki-Flasche zu sein. Der Fisch symbolisiert die Zerbrechlichkeit seiner Existenz innerhalb des Ökosystems, was auf die Ohnmacht der Völker der Türkei angesichts politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen bezogen werden kann; die ontologische Krise des Individuums führt zur Erschaffung von Utopien und dem verzweifelten Versuch, die Realität durch dionysische Feste und Feiern zu überwinden. Das Stück ahmt die Effekte psychedelischer Erfahrungen wie De-Chronisierung, De-Personalisierung und Dynamisierung nach, begleitet vom Sound türkischer psychedelischer Rockmusik der 70er Jahre. 

Rahel Crawford Barra & Zrinka Uzbinec: Natur/&$!#@1!/Romantik
"Natur/&$!#@1!/Romantik" ist eine performative Videoinstallation zur romantischen Komödie, die die Romantisierung der Natur in (neo)faschistischen Ideologien unterbricht. Während die ländliche Romantik die bürgerliche Antwort auf die zunehmende Verelendung und Entfremdung der Arbeiter in den Prozessen der Urbanisierung und Industrialisierung war, verführt uns die Komödie der Rom-Coms dazu, Momente der Scham und Gewalt in einem romantischen Rahmen mitzuerleben. Unsere Videoperformance ruft daher zum Humor auf - als Strategie zum Aufbau einer verantwortungsvollen, konflikthaften Beziehung von unlösbarer Mehrdeutigkeit, die eine Welt sowohl aufbauen als auch betrauern kann.

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Ticketpreis
8,00 - 13,00 € sliding scale, 5,00 € mit tanzcard

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LIFE LONG BURNING
Open Call: Workshop mit nyamnyam am ICI-CNN Montpellier, deadline 10.03.2021
ANACONDA AM UFER
Lunch-Take away
Köstlichkeiten im Februar 2021
WIR SIND VIELE – JEDE*R EINZELNE VON UNS!
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